Wird aus Wieslochs Fußgängerzone eine Radfahrerzone?


von Klaus Rothenhöfer

Ein weiteres Mal versucht die Grüne Fraktion im Wieslocher Gemeinderat in der nächsten Sitzung, eine Mehrheit für ihren Antrag zu finden, das Radfahren in der Fußgängerzone Untere Hauptstraße zu erlauben. Dem Vernehmen nach wird es von einzelnen Fraktionsmitgliedern bereits bisher trotz Verbots schon praktiziert. Besonders bemerkenswert an dem Grünen Antrag ist die Tatsache, dass man den Hinweis der INSEK Umfrage, nach der 49% der Teilnehmer diese Öffnung für wichtig erachten und nur 43% als eher unwichtig, zum Anlass nimmt, erneut diesen Antrag zu stellen.

Dieser Bezug ist deshalb bemerkenswert, weil diese Fraktion gegen das INSEK-Projekt war und ist und bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse im Gemeinderat diese als "weder repräsentativ, noch als ein brauchbares Abbild der Wieslocher Bevölkerung" abqualifizierte. Das einseitige Teilnehmerprofil relativiere die erhobenen Meinungsbilder. Zur Begründung grüner Anträge ist die Umfrage aber offensichtlich repäsentativ genug und das Meinungsbild soll trotz "einseitigem Teilnehmerprofil" den Gemeinderat unter Druck setzen.

Angesichts der anhaltenden Beschwerden über respektlose Radfahrer in der Fußgängerzone Untere Hauptstraße hat der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 18.12.2013 beschlossen "dem Gemeindevollzugsdienst die Befugnisse nach Punkt 2 d der Vorlage (Überwachung der Durchfahrtsverbote in Fußgängerzonen und in verkehrsberuhigten Bereichen) zu übertragen. (Mehrheitlich gefasster Beschluss, bei 25 Jastimmen, 7 Neinstimmen, 2 Enthaltungen.) [wiesloch.de pdf]

In der damaligen Vorlage hieß es: Das Thema "Kontrolle und Überwachung der Fahrradfahrer/innen" in der Fußgängerzone führte in der Vergangenheit häufiger zu Diskussionen in den Gremien, da Fahrradfahrer/innen die Fußgängerzone durchfahren und es hierdurch zu Belästigungen der Fußgänger/innen kommt. Von Seiten des Gemeinderates wurde daher gefordert, dass der Gemeindevollzugsdienst die Befugnis erhält, die Fahrradfahrer/innen in der Fußgängerzone anzuhalten und zu verwarnen.

An dieser Einschätzug der Situation hat sich in den vergangenen fast fünf Jahren nichts geändert. Eine Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr würde meiner Meinung nach die Aufenthaltsqualität dort massiv beeinträchtigen. Bereits jetzt kommt es häufig zu Konflikten zwischen Fußgängern und ordnungswidrig fahrenden Radfahrern, eine offizielle Zulassung würde diese Konflikte vervielfachen. Die gewünschte Verlängerung der Fußgängerzone in die Schlossstraße – in der man dann zwangsläufig des Radfahren auch zulassen müsste – würde das Problem angesichts des Gefälles der Schlosstraße weiter verschärfen

In einer idealen Welt, in der "ein rücksichtsvolles Miteinander von Fußgängern und Radfahrern im Alltag funktioniert und es zu keinen Problemen kommt" wäre eine Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer denkbar, in Wieslochs alltäglicher Realität meiner Meinung nach nicht.


| von: Klaus Rothenhöfer (Stadtrat SPD) |

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Veröffentlicht in Allgemein. 10 Comments »

10 Antworten to “Wird aus Wieslochs Fußgängerzone eine Radfahrerzone?”

  1. W.Blog Says:

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    T. D. > 06.06.2018 – 18:35 06.06.2018 – 19:24 <
    Nein eine Busverbindungsstrecke

    Kommentare bei Wiesloch.Blog (Facebook)

    U. H. > 06.06.2018 – 19:24 <
    Ich bin dafür. Ersten durchfahren GR Mitglieder ALLER Fraktionen die Fußgängerzone mit dem Rad, nicht nur die untere. Zweitens ist die untere Fußgängerzone ein wichtiger Schulweg, und drittens ist unser Gemeindevollzugsdienst personell leider viel zu schlecht ausgestattet, das Verbot effektiv zu kontrollieren!!! Im übrigen halte ich die durchrasenden Apotheken-Zulieferer für wesentlich gefährlicher!!!

  2. Andreas Jungmann Says:

    Ein Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in komplett für den Radverkehr freigegebenen Fußgängerzonen funktioniert heute schon in ca. 40 Städten Deutschlands (Quelle: radsam-kampagne.de).

    Sollten die Menschen in Wiesloch so rücksichtslos veranlagt sein, dass es außgerechnet hier nicht funktionieren kann?

    Aschaffenburg hat seine Fußgängerzone 2013 für den Radverkehr freigegeben und diese Maßnahme mit einer relativ kostengünstigen Kampagne namens „Miteinanderzone“ vorbereitet (Quelle: VCD).

    Zu wünschen ist, dass die Mitglieder des Gemeinderates sich bei der Abstimmung nicht auf ihr „Bauchgefühl“ verlassen, sondern sich zuvor ausgiebig über bereits für den Radverkehr freigegebene „Miteinanderzonen“ informieren.

  3. W.Blog Says:

    Kommentare bei Wiesloch.Blog (Facebook)

    T.D. > 07.06.2018 10:30 <
    "ich verstehe das nicht was U. H. in seinem Kommentar schreibt. Ist es bitte möglich den Lesern diese Logik (Denkweise, bei der die einzelnen Schritte richtig aufeinanderfolgen) mal nachvollziehbar zu machen? Oder ist es einfach "Echt Wiesloch" so mit Blick auf Kommunalpolitik, Verwaltung, usw usw?"

    J. G. > 07.06.2018 <
    durchrasenden Apotheken-Zulieferer, wo ist denn da der Gemeindevollzugsdienst ? Genau wie die durchrasenden Radfahrer einfach mit Bußgeld ermahnen. Fußgängerzone = wie der Name schon sagt für Fußgänger.Nicht für Rücksichtslose Radfahrer, Apothekenzulieferer und auch nicht für Busse.

    U. H. 07.06.2018
    "J. G. Sag ich doch…"

  4. Wieslocher Bürger Says:

    Hallo,
    oder wir schaffen die „Fußgängerzone“ einfach ganz ab… wirklich verdient hat sie den Namen schon lange nicht mehr.
    Erst nur Lieferverkehr, dann nur noch die Busse dazu, jetzt öffnen wir noch für den Radverkehr…

    Bin gespannt wann die Autofahrer kommen und fragen warum sie noch die einzigen Verkehrsteilnehmer sind die diskriminiert und ausgesperrt werden!

    Aber die vorgeschlagenen Miteinanderzonen finde ich durchaus eine Idee Wert, alle Verkehrsteilnehmer im verantwortungsvollen Miteinander zusammen auf einer Verkehrsfläche… wo hab ich das schon mal gehört.. stimmt: früher hieß das einfach nur Straße…

    VG
    WB

  5. W.Blog Says:

    Kommentare bei Wiesloch.Blog (Facebook)
    S. J. 07.06.2018
    Meine Fragen um diese Kommentare zu verstehen.
    Gibt es nachvollziehbare Argumente gegen die ursprüngliche Grundlagen der Entscheidung pro Fußgängerzone?
    Sind den Befürwortern die realen Zustände in der Fußgängezone bekannt? Wie oft in der Woche und die Anzahl der Aufenthaltstunden in der Zeit Mo-Fr von 10:00 bis 17:00 würde interessieren. Die Auswirkungen vom „Demographischer. Wandel – Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft sind bekannt?

  6. Wieslocher Says:

    siehe – Immer wieder Hauptstraße KW 40, noch was –
    zu Interesse/Handlung der Stadtverwaltung

  7. Marc aus Wiesloch Says:

    Andreas Jungmann Says:
    Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in komplett für den Radverkehr freigegebenen Fußgängerzonen funktioniert heute schon in ca. 40 Städten

    2.060 Städte gibt es in Deutschland (Quelle: Wikipedia) entspricht 0,02 %
    Die Anzahl der Städte ist kein Kriterium für oder gegen eine „Radfahrerzone“, ist eher eine sehr gefährlich Verharmlosung der Gefährdungen.
    Als Beispiel die Stadt Speyer. Vielen sicher bekannt die Fußgängerzone zwischen Dom und Altpörtel (Maximilianstr.) Bei genauer Betrachtung sind die Unterschiede in den Abmessungen der Gehwege und des Mittelbereiches gut zu erkennen. Gehweg: auf beiden Seiten sind in der Abmessung so bemessen, dass auf jeder Straßenseite Kinderwagen oder Rollstühle sich begegnen können. siehe Bild1 Bild2

    Andreas Jungmann Says:
    Sollten die Menschen in Wiesloch so rücksichtslos veranlagt sein, dass es außgerechnet hier nicht funktionieren kann?

    Diese Frage muss nicht mehr gestellt werden. Die Erfahrungen aus der zurückliegenden Monaten, Jahre haben bereits bewiesen, dass die Wege der Fußgänger von Radfahrern geschnitten wurden, dass Fußgänger angefahren wurden.

    Klares nein, keine Fahrradzone!

  8. W.Blog Says:

    Kommentare bei Wiesloch.Dialog (Facebook)
    H.S. 09.06.2018
    U. H. schrieb am 6. Juni um 19:24 (fehlt aktuell)
    „Ich bin dafür. Ersten durchfahren GR Mitglieder ALLER Fraktionen die Fußgängerzone mit dem Rad, nicht nur die untere. Zweitens ist die untere Fußgängerzone ein wichtiger Schulweg, und drittens ist unser Gemeindevollzugsdienst personell leider viel zu schlecht ausgestattet, das Verbot effektiv zu kontrollieren!!! Im übrigen halte ich die durchrasenden Apotheken-Zulieferer für wesentlich gefährlicher!!! “

    – Einige Mitglieder aus dem Gemeindrat habe ich auch schon gesehen bei der Fahrt durch die Fußgängerzone, jedoch nicht alle und nicht aus allen Fraktionen.
    – Die Fußgängerzone ist ein wichtiger Schulweg weiter ein wichtiger Weg zum Kindergarten, zu den Ärzten und zum Einkauf in den dortigen Geschäften …
    – Die Aussage zum Gemeindevollzugsdienst ist leider nicht richtig. Die Ursachen sind andere. siehe https://wiesloch1.wordpress.com/2013/10/04/immer-wieder-hauptstrase-kw-40-noch-was/

    K e i n e Fahrradzone in der Hauptstraße, dafür gibt es andere Wege und Strecken, der Schutz aller Fußgänger ist wichtiger als eine schöne gerade und kurze Strecke. Bitte auch die Entwicklung im Bereich Fahrrad (Lastenanhänger, Kinderanhänger, Geschwindigkeit, E-Bike) in das Denken einbeziehen.

  9. W.Blog Says:

    Kommentare bei Wiesloch.Dialog (Facebook)

    R. W. 09.06.2018
    will man jetzt auch noch die wenigen Besucher vom Einzelhandel/Eiscafe/Arztbesucher aus der Fußgängerzone vertreiben? … dann mal ran.

    Andere Städte zeigen wie erfolgreich Gemeinderat und Verwaltung positive Maßnahmen durchführen. Und Wiesloch? INSEK ca 160.000 EUR! (ohne Maßnahmen)
    Handel und viele Städte stellen andere Fragen an die Besucher zur Innenstadt u.a.:
    – Gestaltung der Innenstadt
    – Ambiente/ Atmosphäre/…
    – Erlebnischarakter
    – regionale Verbundenheit
    – Sauberkeit
    – Sicherheit
    – Vielfalt und Angebot der…
    – Gastronomieangebot
    – Freizeitangebot
    – Besucherzahl
    – Erreichbarkeit
    – Parkmöglichkeiten
    – Barrierefreiheit
    Unter den drei wichtigsten Punkten lt Befragungen der tatsächlichen Besucher: Sicherheit, Sauberkeit und Vielfalt und Angebot der…

  10. Reinhold Weis Says:

    U. H. schrieb am 6. Juni um 19:24
    „. . . und drittens ist unser Gemeindevollzugsdienst personell leider viel zu schlecht ausgestattet“

    Das sehe ich nicht so!
    MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung Wiesloch
    Fachbereich 3.2 Öffentliche Sicherheit und Ordnung = 24 Personen
    Vollzugsdienst = 6 Personen
    Quelle: Entwurf Haushaltsplan 2018, vom 6.11.2017 + Rathaus EG, Zi 208, 209, 210
    Weiter sind mehrere Fälle bekannt bei denen über einen längeren Zeitraum Vorgänge behandelt wurden zu denen bereits vor Jahren verbindliche Feststellungen getroffen wurden. (von einigen Vorgängen ist auch der OB Dirk Elkemann informiert worden).

    die Fußgängerzone in Wiesloch ist nicht geeignet für die Nutzung durch Radfahrer
    Infos (EFA 2002), (ERA 1995, in Überarbeitung) und (RASt 2006).


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