Aus Kosteneinsparungen werden Mehrkosten


Wenn aus versprochenen 180.000 € Kosteneinsparungen 9.000 € Mehrkosten werden,

wenn die Mehrheit des Wieslocher Gemeinderats dies achselzuckend abnickt, wenn darüber in der Tagespresse (noch?) nicht berichtet wird, dann geht es einmal mehr um das total aus dem Ruder gelaufene Projekt „Nahwärmeversorgung Äußeren Helde“.

Um eines ganz deutlich zu sagen, es geht nicht um die Sinnhaftigkeit einer Nahwärmeversorgung, die ist sehr wohl an vielen Stellen sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll, es geht nicht einmal um die Sinnhaftigkeit der Wieslocher Nahwärmeversorgung allgemein sondern einzig und ausschließlich um das wider alle Vernunft umgesetzte Projekt Nahwärmeversorgung „Äußere Helde“.

Für die SPD-Fraktion habe ich oft genug auf unrealistische Annahmen, geschönte Zahlen, geschönte Preise, unterschiedliche Preise in verschiedenen Vorlagen hingewiesen, ich erinnere an die zahllosen Diskussionen um die widersprüchlichen und unvollständigen Betriebsberichte der Stadtwerke Wiesloch. [ rothenhoefer-wiesloch.de/Stadtrat/blogbeitraege.html ]
Man hätte es wissen können. Selbst glühendste Projektbefürworter räumen inzwischen das Scheitern ein, niemand denkt mehr daran, auch die Äußere Helde 2 anzubinden.

Es ist nur der Beharrlichkeit der SPD-Fraktion zu verdanken, dass in der Gemeinderatssitzung vom 26.4.2017 das gesamte Vertragswerk öffentlich behandelt wurde – leider vor nur wenig Zuhörern – und deshalb auch alle damit verbundenen Zahlen auf den Tisch kommen können. Die Vielzahl der in dieser Sitzung zur Entscheidung anstehenden Verträge hängt damit zusammen, dass man das gemeinsame Projekt Palatin – Stadtwerke sowohl steuerlich als auch hinsichtlich öffentlicher Förderung „wasserdicht“ machen muss, damit die unbedingt zu erzielenden finanziellen Vorteile aus beiden Bereichen auch eintreffen, um die Unwirtschaftlichkeit etwas zu verringern. Wir können nur hoffen, dass auf der juristischen Seite nicht genauso schlampig und auf vagen Annahmen beruhend gearbeitet wurde, wie auf der kaufmännischen und technischen. Trotzdem gilt die alte Kaufmannsweisheit, eine Investition, die sich nur wegen Steuer- und Fördervorteilen lohnt, lässt man besser wegen Unwirtschaftlichkeit.

Wärmekonzept Wiesloch, Seite 3 [ wiesloch.de ]
Pricewaterhouse Coopers und die Stadtwerke Heidelberg haben uns in aller Deutlichkeit die Situation vor Augen geführt. Wärme in Wiesloch ist aktuell ein defizitäres Geschäftsfeld, wobei die Nahwärmeversorgung Äußere Helde den größten, wenn nicht den alleinigen Anteil daran hat. Betrachtet man die aufgezeigten Lösungsmöglichkeiten, wird sehr schnell klar, dass dort nichts zu erwarten ist. Die Senkung der Brennstoffpreise bringt uns praktisch nichts, da wir aufgrund der jährlichen Preisanpassung diese an den Kunden weitergeben. Die Sparte Fernwärme lebt von der Differenz zwischen Gasbezugs- und Wärmearbeitspreis und die ist fast unabhängig von den Brennstoffpreisen, ich werde darauf zurückkommen. Der Hoffnung der Betriebsleitung auf die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit nach Wegfall der hohen anfänglichen Abschreibungen hat in jüngster Zeit durch den Ausfall eines noch nicht abgeschriebenen Pelletkessels beim Freibad einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Heizzentrale Palatin Entwurfsplanung. Seite 20 [ ]
Man hat, wie man so schön sagt, die Dollar bzw Euro Zeichen schon in den Augen der Optimisten gesehen, als IBS mit angeblichen 180.000 € Stromkostenersparnis das Projekt Wärmezentrale schmackhaft machte. Die hatte man gleich doppelt verbraten, einerseits sollte das Palatin diese Ausgabe sparen, andererseits sollten die gesparten 180.000 € an die Stadtwerke weitergegeben werden und dort zur Wirtschaftlichkeit des Projekts beitragen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit beider Forderungen hat trotz mehrfacher Hinweise unsererseits niemand bei den Befürwortern gestört.

Was ist von den versprochenen 180.000 € Stromkostenersparnis geblieben? Nichts! Stattdessen Mehrkosten von 8.893 € gegenüber der Beibehaltung einer eigenen Heizzentrale im Palatin. Wo bleibt der Aufschrei? Wo bleibt die Haftung des Ingenieurbüros und der Projektbetreiber? Nichts! Stattdessen legt man die Jahresmiete, die die Stadtwerke für die Überlassung der Räume im Palatin bezahlt, gerade so fest, dass wenigstens kein Mehraufwand entsteht. Von den versprochenen 180.000 € Stromkostenersparnis kein Wort mehr. (Die entsprechende Folie muss noch veröffentlicht werden, darüber „streite“ ich derzeit mit der Verwaltung und Teilen des Gemeinderats)

Wer Herrn Schindlmaier kennt, durfte schon seine Zweifel gehabt haben, ob er sich auf ein solches „Nullsummenspiel“ einlässt – und jetzt wird es interessant. Die Stadtwerke kaufen 2017 vom Palatin die Abwärme für 160.000 € so in dieser Vorlage. In der Mietkalkulation zur Begründung der Miete von 8.894 € sind aber nur 141.844 € angesetzt. Setzt man stattdessen 160.000 € an, so werden aus negativen 8.893 € positive 9.222 € für das Palatin, allerdings nicht aus Stromkostenersparnis sondern zu Lasten der Stadtwerke. (Die entsprechende Folie muss noch veröffentlicht werden s.o.)

Wie regelmäßig bei Vorlagen im Zusammenhang mit dem Projekt Heizzentrale Palatin schaut man nach ersten fraglichen Zahlen dann genauer hin. Da sind ja auch noch die Gasbezugspreise, bei denen sich die Geschäftsführung zurecht rühmt, sie von 4,45 ct/kWh auf 2,9 ct/kWh gedrückt zu haben. (s.o.)

Allerdings sind in der Mietkalkulation noch die früheren Gasbezugspreise verwendet. Nimmt man die gegenwärtig und für die nächsten Jahre gesicherten, so werden aus den negativen 8.893 € sogar positive 30.062 € zugunsten des Palatin, allerdings erneut nicht aus Stromkostenersparnis sondern zu Lasten der Stadtwerke. (s.o.)

Und damit komme ich zur angekündigten Antwort auf die Frage, wie sich gesunkene Gasbezugspreise auf das wirtschaftliche Ergebnis der Stadtwerke auswirken. Die Auswirkungen zugunsten des Palatin habe ich oben dargestellt. Bei einem durchschnittlichen Gasbezugspreis von 4,42 ct/kWh für das Jahr 2016 blieb uns eine Differenz von 3,075 ct/kWh, bei 3,64 ct/kWh für 2017 blieben den Stadtwerken 3,165 ct/kWh also grade mal 0,09 ct/kWh mehr. [ Heizzentrale Palatin; Vertragswerk Seiten 38 und 39 ]
Interessant an dieser Vorlage ist auch die Tatsache, dass der Gaspreis 2017 geringfügig geringer ist als im Basisjahr 2010, der Pelletspreis aber 7,3% höher. Hier erhebt sich außerdem die Frage, warum der Pelletspreis zu 50% in die Preisanpassung eingeht, obwohl für die Wärmeversorgung der Äußeren Helde noch nie ein einziges Pellet eingesetzt wurde und auch zukünftig nicht eingesetzt werden wird.

Fazit: Die vorgelegten Zahlen hielten einer kritischen Prüfung nicht stand, trotzdem will die Gemeinderatsmehrheit ohne Klärung der widersprüchlichen Zahlen das Projekt durch Absegnung der Verträge weiter verfolgen. Die SPD-Fraktion kann nur hoffen, dass die steuerliche und technische Ausgestaltung des Vertragswerks so ist, dass wir von dieser Seite nicht noch weitere üble Überraschungen erleben. Die SPD-Fraktion hat dem Projekt Fernwärmeleitung und Heizzentrale bisher nie zugestimmt und auch in der Sitzung vom 26.4.2017 den Verträgen angesichts der widersprüchlichen Zahlen nicht zugestimmt. Steuerlich und förderungsmittelmäßig soll das Projekt optimiert sein, von dem ursprünglich angekündigten umweltsfreundlichen Betrieb ausschließlich mit nichtfossilen Brennstoffen Biogas und Pellets ist nichts mehr übrig geblieben, genausowenig wie von dem Beschluss, städtische Gebäude zu 100% mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen, das Palatin erzeugt seinen Strom aus der Kraft-Wärme-Kopplung zu 100 % aus fossiler Energie.

weitere Informationen

Klaus Rothenhöfer, Stadtrat (SPD) www
Stadtrat seit November 1971
Träger der Bürgermedaille
stellv. Oberbürgermeister,
Mitglied im Ausschuss für Technik und Umwelt


| Bericht von: Klaus Rothenhöfer, Stadtrat (SPD) | Bild: (1) Symbolbild (2) K.Rothenhöfer |

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5 Antworten to “Aus Kosteneinsparungen werden Mehrkosten”

  1. Tom Dreher Says:

    „Wer öffentlich behauptet Bürger zahlen über Wasserpreis Defizit der Wärmeversorgung kennt Einmaleins des #Gemeinderat nicht“ Grüne zu #FDP“ via Twitter CDU Wiesloch‏ @CDUWiesloch 10:56 – 20. Nov. 2013

    „Das kleine Einmaleins zählt zu den wichtigsten Grundlagen der Mathematik und sollte daher aus den Effeff beherrscht werden. Je besser man es beherrscht, um so leichter fällt das Malnehmen und Teilen in der Schule und im ganzen weiteren Leben!“

    Vorausetzung für 1×1 (Grundschule):
    – Vorlagen lesen und verstehen
    – zum Wohle der Bürger handeln (haben Wieslochs Bürger darauf ein Recht?)

  2. Leser Says:

    Wer hat es noch festgestellt, wem ist das noch aufgefallen?
    Kurz vor dem Abnicken/Einnicken

  3. Wieslocher Says:

    So große Plakate gibt es nicht um solche Fakten zu überdecken, wer kein Interesse an seiner Arbeit im Gemeinderat hat sollte mal darüber nachdenken ob er noch am richtigen Platz ist. „Platzhalter“ findet man sehr leicht!

    Bitte formiert euren Bekanntenkreis über solche Vorgänge

  4. Wieslocher Bürger Says:

    Hallo Herr Rothenhöfer,
    respekt vor den offenen Worten.

    Jetzt bin ich mal gespannt ob hier auch Konsequenzen folgen und wer dafür gerade zu stehen hat.

    Viele Grüße
    WB


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