Buslinie 723 chronisch unpünktlich


Müssen die Nutzer der Buslinie 723 weitere zehn Jahre mit der chronischen Unpünktlichkeit dieser Linie leben?
von: Klaus Rothenhöfer

Seit der Vergabe der Buslinie 723 an den BRN vor zehn Jahren leidet diese Linie unter chronischer Unpünktlichkeit, die häufig zu Anschlussversäumnissen in Leimen führt. Der Grund ist allen Beteiligten bekannt: die Fahrzeiten des derzeitigen Fahrplans sind nicht einzuhalten. Trotzdem soll jetzt erneut auf der Grundlage dieses nicht einzuhaltenden Fahrplans ausgeschrieben werden, mit der Konsequenz, dass auf der Linie 723 keine Verspätungspönalen ausgesprochen werden können, weil ein unrealistischer Fahrplan vergeben wird. Um günstig anbieten zu können, hatte der Busverkehr Rhein Neckar (BRN) einen Umlauf "eingespart" mit der Konsequenz, dass der Fahrplan nicht mehr zu halten war. Der vorherige Fahrplan sah in Wiesloch eine Pufferzeit von 10 Minuten vor. Planmäßig wäre also an der Endstelle gleichzeitig ein Bus angekommen und abgefahren. Tatsächlich war das wegen zu knapp gewordener Fahrzeiten fast nie so, der ankommende Bus kam ein paar Minuten später als der abfahrende. Für den Fahrgast hatte das keine Konsequenzen, da er dank der Pufferzeit trotzdem wieder pünktlich abfahren konnte. Mit der "Einsparung" eines Umlaufs gewann man zwar den Zuschlag, die Pufferzeit war aber weg und die Verspätungen und Anschlussverluste in Leimen wurden zur Regel.
Wenn man aus Kostengründen nicht wieder einen zusätzlichen Umlauf will, muss man andere Lösungen finden, etwa eine Verkürzung des Laufwegs, um die nötigen Minuten einzusparen. In den vergangenen Monaten gab es dazu Hoffnung machende Gespräche zwischen den Verantwortlichen aus Wiesloch, Nußloch und Leimen. Leider sieht es inzwischen so aus, dass die bestehende unbefriedigende Situation für die nächsten 10 Jahre festgeschrieben wird.

Für die SPD-Fraktion habe ich Anfang dieses Jahres ein Alternativkonzept entwickelt, das ohne einen zusätzlichen Bus, also ohne zusätzliche laufende Kosten, auskommt. Der VRN und Nußloch würden das gerne so umsetzen, weil es überzeugend ist, allerdings macht Leimen nicht mit. Über die Gründe kann man nur spekulieren, einen echten Bedarf für eine Bedienung des Abschnitts Leimen Friedhof – Leimen Kurpfalzzentrum durch die Buslinie 723 ist nicht zu erkennen, das dort bereits die Straßenbahnlinie 23 im Zehn-Minuten-Takt verkehrt.Ob wegen Verspätung verärgerte Fahrgäste wirklich zu Kunden des Kurpfalzzentrums werden, ist mindestens fraglich.

Ich möchte die Verschlechterung der Situation nochmals kurz schildern. Bis vor ca. 10 Jahren stellte sich die Umsteigesituation in Leimen so dar:

Bild 1: Links die ankommende Bahn aus Heidelberg, kurzer Übergang zum Bus nach Wiesloch, der an der Haltestelle wartete. Da war der Fahrgastwechsel in weniger als einer Minute vollzogen, die Fahrgäste hatten maximal 30 m zurückzulegen.

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Bild 2: Dann wurde die Bushaltestelle verlegt

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In Bild 3 kann der startende Bus noch direkt rechts abbiegen und in die Römerstraße einfahren. Inzwischen ist diese Möglichkeit durch bauliche Veränderungen weggefallen, der Bus muss über die signalisierte Kreuzung zunächst in die Rathausstraße und dann in die Römerstraße einfahren – weiter Zeitverzögerung, aber immer noch der gleiche Fahrplan. Das funktionierte dann nicht mehr, wurde aber dadurch aufgefangen, dass in Wiesloch planmäßig 10 Minuten Standzeit vorgesehen waren. So konnten Verspätungen bis zu 10 Minuten aufgefangen werden. Mit Übergang der Konzession an den BRN fielen diese 10 Minuten Standzeit in Wiesloch weg, man sparte mit der Null-Minuten-Wende einen Kurs ein, der Bus soll also zur gleichen Minuten ankommen und losfahren – was praktisch nie funktioniert.
Bild 3: Fußweg jetzt ca 150m, entsprechend längere Übergangszeit

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Zusammenfassend : Die Verlängerung des Umsteigewegs in Leimen und die Verlängerung der Fahrzeit in Leimen führen dazu, dass die in Leimen Kurpfalzzentrum startende Linie 723 regelmäßig schon in Leimen, Moltkestraße Verspätung hat, die dazu führt, dass der Bus bereits verspätet in Wiesloch ankommt. Der Wegfall des Fahrzeitpuffers in Wiesloch führt dazu, dass diese Verspätung nicht ausgeglichen werden kann, der Bus verlässt Wiesloch verspätet und erreicht den Anschluss an die Straßenbahn in Leimen häufig nicht. Die Wiedereinführung des 10 Minuten Puffers in Wiesloch könnte die Pünktlichkeit und Anschlusssicherheit in Leimen wiederherstellen, erfordert aber einen zusätzlichen Kurs. Die unbefriedigende Umsteigesituation in Leimen wird dadurch allerdings nicht verbessert . (Bild 4)

Das wäre meines Erachtens die ideale Lösung für einen ggf. sogar überdachten Tür-an-Tür Umstieg, wie er uns bei Einstellung der Straßenbahn versprochen wurde. Die Fahrstrecke des Busses würde sich deutlich verkürzen, die Umsteigezeit und -wege der Fahrgäste ebenso.

Noch besteht ein paar Wochen die Möglichkeit einer zukunftsträchtigen Lösung, dann wird das jetzige Übel für weitere zehn Jahre festgeschrieben.


| Von: Klaus Rothenhöfer (Stadtrat SPD Wiesloch) | Bild: © Klaus Rothenhöfer |

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